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𝐃𝐚𝐬 𝐢𝐬𝐭 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧.

  • Patricia Pfarrhofer
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Eine Serie über das Jungsein im Heute – Lebensrealitäten, die berühren, irritieren und oft übersehen werden.


𝐅𝐨𝐥𝐠𝐞 2: 𝐄𝐢𝐠𝐞𝐧𝐯𝐞𝐫𝐚𝐧𝐭𝐰𝐨𝐫𝐭𝐮𝐧𝐠.

In meinen Workshops treffe ich viele junge Berufseinsteiger:innen, die mit wenigen Worten viel sagen – über sich, ihre Herkunft, ihre Lebensrealität.

Kürzlich erzählte mir ein junger Mann seine Geschichte: Mit 16 lebt er mit seinen älteren Geschwistern allein. Die Eltern? Im Ausland. Kontakt? Sporadisch. 

Seit seinem Ausbildungsbeginn organisiert er sich selbst – von der Wäsche bis zur Krankmeldung. Was nach früher Selbstständigkeit klingt, ist bei genauerem Hinsehen vor allem eines: EINE FORM VON ÜBERLEBEN.


𝗪𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲𝘀 𝗩𝗲𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗻 𝘀𝗲𝗵𝗲𝗻 𝗩𝗼𝗿𝗴𝗲𝘀𝗲𝘁𝘇𝘁𝗲 𝗶𝗺 𝗨𝗻𝘁𝗲𝗿𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻? 

David fehlt unentschuldigt oder wirkt im Gespräch distanziert. Schnell kann man ihn als unzuverlässig oder nicht teamfähig abstempeln. 


Doch was wie Desinteresse wirkt, kann auch Überforderung sein.

Was respektlos erscheint, vermisst vielleicht Struktur mit stabilen Bezugssystemen – auch in der Arbeit. David kennt kein Elternhaus, das ihn auffängt oder auf Konflikte vorbereitet. Er ist früh auf sich gestellt – aber nicht automatisch reif.


Was diese Geschichte deutlich macht:

David bringt viel mit – Eigenständigkeit, Überlebenswille, die Fähigkeit, sich durchzuschlagen. Aber auch Unsicherheit. Kein klares Gefühl für Strukturen, keine eingeübten Erwartungen an sich oder andere. In einem System, das auf Normverhalten ausgerichtet ist, fällt David auf – und nicht immer positiv.


Und ja – es geht auch darum, dass David im Berufseinstieg lernt, seine Arbeit zu erledigen. Nicht alles lässt sich mit schwierigen Umständen erklären. Ein Arbeitsverhältnis ist kein Schonraum – aber ein Lernraum.

Gerade zu Beginn braucht es Klarheit:

Was wird erwartet? Was heißt Verantwortung – auch an Tagen, an denen es schwerfällt?


Der Berufseinstieg ist eine Prägungsphase. Und genau deshalb braucht es:

Verlässliche Rahmenbedingungen UND ehrliches Interesse an der Realität junger Menschen. Nur so entsteht eine Kultur, in der sie lernen, Verantwortung zu tragen – nicht aus Angst, sondern aus wachsender innerer Stabilität.


Was Unternehmen daraus lernen können:

1. Früh gelebte Selbstständigkeit ist nicht gleich innere Stabilität.

Wer früh Verantwortung übernehmen muss, bringt Alltagskompetenz mit – aber nicht immer emotionale Reife. 

2. Verantwortung braucht Vorbilder – nicht nur Vorgaben.

Ohne familiäre Orientierung fehlen Basics: Wie meldet man sich krank? Wie reagiert man auf Kritik? Führungskräfte übernehmen hier – bewusst oder unbewusst – eine prägende Rolle.

3. Orientierung ist ein Schlüssel zur Bindung.

Für manche ist der Betrieb der erste Ort, der Halt gibt. Klare Abläufe, faire Kommunikation und Zugewandtheit sind nicht nett – sie sind notwendig.

Denn das ist ihr Leben. Und unser gemeinsamer Auftrag.

 
 
 

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