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𝗗𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻.

  • Patricia Pfarrhofer
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Eine Serie über das Jungsein im Heute – Lebensrealitäten, die berühren, irritieren und oft übersehen werden.


Folge 4: Ich will nicht verrecken für einen Job.

In einem Gespräch mit einem jungen Produktionsmitarbeiter, 20 Jahre alt, keine große Klappe, aber klare Haltung, fiel dieser Satz:

„Ich will nicht verrecken für einen Job.“


Er meinte damit nicht, dass er keine Lust hätte zu arbeiten. Er arbeitet – hart, pünktlich, konzentriert. Aber er will nicht, dass sein Leben nur daraus besteht.

„Mein Vater war 42, als er das erste Mal zusammengeklappt ist“, hat er gesagt. „Ich hab das gesehen. Ich mach das nicht.“


Und da war sie wieder – diese Diskrepanz.

Zwischen dem, was erfahrene Generationen unter „Einsatz“ verstehen, und dem, was junge Menschen unter „gesund bleiben“ verstehen. Zwischen Pflicht und Selbstschutz. Zwischen Karriere und körperlicher Unversehrtheit.


Heute denke ich:

Wir haben geglaubt, dass man sich für gute Arbeit aufopfern muss. Viele von uns sind über ihre Grenzen gegangen. Auch ich.


Heute erlebe ich Junge, die sagen: Ich arbeite – aber nicht auf Kosten meiner Gesundheit. Manche lesen darin Faulheit. Doch ich denke nicht, dass dieser Konnex immer zulässig ist. Es könnte auch eine kluge Grenzziehung sein.

Ein Zeichen von Selbstverantwortung – nicht von fehlendem Leistungswillen.

Vielleicht waren wir zu stolz auf unser Durchhalten – und zu still über den Preis, den wir dafür gezahlt haben.


𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝗳ä𝗹𝗹𝘁 𝘄𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗥𝗲𝗶𝘇𝘄𝗼𝗿𝘁: 𝗪𝗼𝗿𝗸-𝗟𝗶𝗳𝗲-𝗕𝗮𝗹𝗮𝗻𝗰𝗲.

Ein Begriff, der in manchen Führungsetagen reflexhaft Abwehr auslöst.

 „Workshop Work-Life-Balance“ – das ist für viele eine Lachnummer. Oder ein Trigger, der Stirnfalten verursacht und Augenrollen auslöst. Vielleicht, weil er an etwas rührt, das lange tabu war: dass Leistung nicht nur zählt, sondern auch kostet. Oder weil er infrage stellt, was viele über Jahrzehnte mit Stolz getragen haben – auch wenn es wehgetan hat.


Vielleicht ist es Zeit, dem Ganzen neue Namen zu geben:

Health Ownership. Verantwortungskultur. Nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Egal welcher Name: Die Inhalte müssen wir adressieren – denn sie sind längst angekommen. In der Halle. Im Büro. Im Kopf der Jungen.


Was Unternehmen daraus lernen können:

𝟭. Gesundheit ist kein Privatthema mehr.

Wer junge Mitarbeitende binden will, muss anerkennen, dass Gesundheit, Erholung und psychische Stabilität heute Teil des Arbeitsverhältnisses sind – und nicht Kür.

𝟮. Worte prägen Kultur.

Nicht das Wort „Work-Life-Balance“ ist das Problem – sondern unser Umgang damit. Wenn wir Begriffe meiden, statt sie mit Leben zu füllen, verlieren wir Relevanz.

𝟯. Führung braucht Differenzierung.

Nicht alle, die pünktlich gehen, sind unmotiviert. Nicht alle, die Überstunden machen, sind loyal. Was wir brauchen, ist Führung, die hinhört – nicht nur hinsieht.



Denn das ist ihr Leben. Und unsere Aufgabe.

 
 
 

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