𝐒𝐜𝐡𝐫𝐞𝐢𝐞𝐧 𝐥ö𝐬𝐜𝐡𝐭 𝐁𝐞𝐳𝐢𝐞𝐡𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐮𝐬.
- Patricia Pfarrhofer
- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt sie, diese Situationen. Es läuft einfach nicht. Etwas geht schief, jemand macht einen Fehler, eine Absprache platzt, die Nerven liegen blank. Ein Wort zu viel, ein Moment zu spät – und plötzlich entlädt sich alles. Laut. Ungefiltert.
Und dann steht da jemand vor dir – und schreit dich an. Diskutiert nicht. Argumentiert nicht, sondern schreit.
Es trifft dich unvermittelt, fast körperlich. Du brauchst einen Moment, um zu begreifen, dass es wirklich dir gilt. Der Ton ist zu laut, zu nah, zu viel. Etwas in dir zieht sich zusammen, während du äußerlich still wirst.
𝐒𝐜𝐡𝐫𝐞𝐢𝐞𝐧 𝐯𝐞𝐫ä𝐧𝐝𝐞𝐫𝐭 𝐚𝐥𝐥𝐞𝐬.
Ein Schrei trennt. Er macht aus Nähe Distanz, aus Vertrauen Vorsicht, aus Beziehung Fremdheit. Wer schreit, will gehört werden – und macht sich unhörbar. Er will Kontrolle – und verliert sie. Ein Raum, in dem geschrien wurde, ist danach nicht mehr derselbe.
Manchmal geschieht es aus Überforderung. Weil die Spannung zu groß wird, weil Angst oder Müdigkeit kein anderes Ventil finden. Man darf versuchen zu verstehen, warum das passiert. Aber man darf es nicht schönreden. Denn Schreien bleibt ein Bruch.
Manchmal aber ist Schreien keine Ausdruck von Überforderung, sondern ein Instrument der Führung. Nicht, weil die Situation es verlangt, sondern weil man gelernt hat, dass Lautstärke wirkt. Weil sie einschüchtert, weil sie Tempo macht, weil sie kurzfristig Ergebnisse liefert. Wer so führt, nutzt Schreien wie ein Werkzeug: gezielt, um Druck aufzubauen, Gehorsam zu erzwingen, Unsicherheit zu säen.
Manche nennen Schreien „klare Ansage“. Aber in Wahrheit ist es der Moment, in dem Führung endet. Denn wo Angst beginnt, hört Vertrauen auf. Und ohne Vertrauen bleibt nichts, worauf sich Autorität wirklich gründen lässt.
Also, was tun, wenn man geschrien hat?
Zuerst: innehalten. Nichts überspielen, nichts verdrängen. Der Moment bleibt ohnehin im Raum. Wer laut geworden ist, trägt nun die Aufgabe, mit der Wirkung umzugehen – nicht mit Erklärungen, sondern mit Haltung.
Ja, man kann wieder herauskommen. Aber nicht, indem man zur Tagesordnung übergeht. Nur, wenn man Verantwortung übernimmt. Wenn man hinsieht, hinhört, hingeht. Wenn man den Mut hat zu sagen: „Das war zu viel. Ich war laut. Es tut mir leid, das war nicht in Ordnung.“ Diese Worte machen ganz sicher nichts ungeschehen, aber sie machen klar, dass man die Wirkung verstanden hat.
Schreien löscht Beziehung aus.
Aber mit Verantwortung und Einsicht kann sie vielleicht – leise, langsam und ehrlich – wieder entstehen.




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