top of page

𝐖𝐞𝐫 𝐌𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐳𝐮𝐦 𝐆𝐞𝐬𝐩𝐫ä𝐜𝐡 𝐞𝐢𝐧𝐥ä𝐝𝐭, 𝐦𝐮𝐬𝐬 𝐚𝐮𝐜𝐡 𝐢𝐡𝐫𝐞 𝐌𝐞𝐢𝐧𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐮𝐬𝐡𝐚𝐥𝐭𝐞𝐧.

  • Patricia Pfarrhofer
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Wir reden in Organisationen gern von Dialog.

Von Feedbackkultur, Partizipation und Beteiligung.

Aber ehrlich: Oft ist das nur die höfliche Verpackung für etwas anderes – Kontrolle über die Lautstärke des Widerspruchs.


Wir laden zum Dialog ein, solange niemand etwas sagt, das uns wirklich herausfordert.

Ich habe Dutzende solcher „Dialogveranstaltungen“ gesehen. 


„Ich möchte wissen, was die Leute denken!“, sagen viele.

Aber sobald jemand wirklich sagt, was er denkt, kippt die Stimmung.

Dann wird erklärt, relativiert oder das Thema gewechselt.

Und das nennt sich dann „konstruktiver Austausch“.

Nur: Konstruktiv für wen?


Menschen sollen sagen dürfen, was sie denken – solange sie respektvoll bleiben und sich im Rahmen unserer gemeinsamen Werte und Gesetze bewegen. Darin zeigt sich die Reife einer demokratischen und verantwortungsvollen Organisation.


Aber das Aushalten dessen, was dann kommt, ist die eigentliche Prüfung.

Denn: Was ist der Mehrwert, wenn jemand sagt er wolle wissen, was Menschen denken, und im nächsten Moment die Stirn runzelt, wenn jemand es tatsächlich sagt?

Gar keiner.


Im Gegenteil:

Die Glaubwürdigkeit sinkt.

Vertrauen erodiert.

Menschen ziehen sich frustriert zurück.

Was bleibt, ist leere Rhetorik über „offene Gespräche“.


Wer zuhören will, darf nicht gleichzeitig bewerten.

Wer verstehen will, darf nicht ständig recht haben müssen.

Führung, die nur Dialog spielt, produziert Stille. Und Stille ist kein Zeichen von Zufriedenheit – sie ist das Symptom von Resignation.


Manche verwechseln Dialogbereitschaft mit Zustimmungsmanagement.

Sie wollen reden – aber nicht irritiert werden.

Sie wollen Feedback – aber bitte nur so, wie es gefällt.


Doch wer so führt, betreibt kein Miteinander, sondern betreutes Denken.


Nimm doch Irritation einfach als Einladung.

Sie zeigt, dass jemand noch den Mut hat, zu sprechen – und du noch die Fähigkeit hast, zuzuhören, denn ie gefährlichsten Systeme sind nicht die mit lauten Stimmen, sondern die, in denen es still geworden ist.

Wo niemand mehr wagt, das Offensichtliche auszusprechen, weil schon zu viele erlebt haben, dass Offenheit einen Preis hat.


Führung, die Dialog ernst meint, lässt andere Wirklichkeiten zu.

Sie weiß: Diese Wirklichkeiten sind keine Bedrohung – sie sind der einzige Weg zur Wahrheit.


Am Ende bleibt nur eine Frage: Willst du wirklich wissen, was Menschen denken – oder nur, dass sie dich bestätigen?


Wer Dialog ruft, aber Stille belohnt, darf sich über Schweigen nicht wundern.

Denn irgendwann sagt keiner mehr etwas – nicht, weil alles gut ist, sondern weil keiner mehr glaubt, dass es einen Unterschied macht.


Und dann hast du keine Gesprächskultur – sondern nur verfestigte Positionen, die sich wie Mauern gegenüberstehen. Die gefährlichste Form von "Stabilität" einer Organisation – und in einer Gesellschaft.


Ich bin gespannt: Wie siehst du das?

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page