𝐖𝐚𝐬 𝐡𝐚𝐭 𝐄𝐫𝐟𝐚𝐡𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐮𝐬 𝐝𝐢𝐫 𝐠𝐞𝐦𝐚𝐜𝐡𝐭?
- Patricia Pfarrhofer
- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Gedanken zu Erfahrung, Führung und der Kunst, nicht zynisch zu werden.
Gestern war Elternabend.
Und es war so, wie wahrscheinlich bei den meisten:
Leicht Entwürdigend. Man sitzt in diesen engen Schulbänken und fühlt sich plötzlich wieder wie eine 14-Jährige, die hofft, dass der Klassenvorstand nicht streng schaut.
Doch das Spannendste war für mich diesmal das Verhalten der Pädagoginnen und Pädagogen.
Da gibt es jene, die beherzt, engagiert und voller Freude von den Kindern erzählen. Sie strahlen, fast so, als müssten sie aufpassen, nicht vom eigenen Enthusiasmus zu platzen. Vorbilder.
Und dann gibt es die anderen. Menschen, bei denen man sich schon unwohl fühlt, wenn sie den Raum betreten. Die aussehen – um es im oberösterreichischen Idiom zu sagen – wie „z’fetzte Osterhasen“. Auf Hochdeutsch vielleicht: „wie Plüschtiere nach zu vielen Waschgängen – verformt, ausgebleicht, ein wenig muffig.“
Alle im selben System. Alle einmal mit einem inneren Wunsch gestartet: Wissen vermitteln, junge Menschen fürs Lernen begeistern. Doch während sich die einen diese Freude bewahren, sieht man den anderen die tägliche Mühsal ins Gesicht geschrieben.
Und das hat mich zu einer für mich spannenden Überlegung geführt:
Wir preisen Erfahrung als Goldstandard. Sie ist der Schlüssel für Karriere, Gehalt und Ansehen.
Aber was, wenn Erfahrung dich über die Jahre nicht besser, sondern bitter gemacht hat? Wenn du jemanden triffst, der zwar ‚20 Jahre Erfahrung‘ im Lebenslauf stehen hat – und du ihm jedes einzelne dieser 20 Jahre ansiehst: ausgebrannt von Routinen, müde von Kämpfen, und innerlich längst nicht mehr neugierig.
Das führt mich zu einer weiteren Frage:
Anstatt zu fragen „Wie viel Erfahrung hast du?“, sollten wir ich besser fragen: "Was hat die Erfahrung aus dir gemacht?“ Hat sie dich souverän, großzügig, humorvoll gemacht? Oder zynisch, hart und unnahbar?
Und noch wichtiger:
Was braucht es, damit Erfahrung wieder auf die gute Seite der Macht kommt? Denn Erfahrung bedeutet auch: Macht über Jüngere. Deutungshoheit über die Regeln. Einfluss darauf, ob jemand wächst – oder klein gehalten wird.
Vielleicht ist es genau das, was wir uns öfter fragen sollten:
Wie verhindern wir, dass Erfahrung in Zynismus kippt?
Was hilft uns, die eigenen Kratzer, Enttäuschungen und Niederlagen nicht weiterzugeben, sondern in Gelassenheit zu verwandeln?
Ich glaube: Es braucht eine Kultur der Reflexion. Eine Prise Selbstironie.
Und vor allem den Mut, sich selbst ehrlich zu fragen:
"Bin ich noch die Version meiner selbst, die ich gerne wäre?"
Mittlerweile habe ich viel Erfahrung mit Elternabenden gesammelt. Ich habe unterschiedlichste Dinge erlebt. Und ich merke: Auch ich muss aufpassen, dass ich nicht zynisch werde.
Was hilft dir, damit Erfahrung dich stärker macht – und nicht müde?
Ich bin gespannt, auf deine Gedanken dazu.




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