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𝐒𝐩𝐞𝐚𝐤 𝐮𝐩 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐒𝐡𝐮𝐭 𝐮𝐩?

  • Patricia Pfarrhofer
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Wie Führungskräfte eine faire Gesprächskultur schaffen, die Jung und Erfahren gemeinsam stark macht


In meinen Seminaren dauert es selten lange, bis DAS Thema auf den Tisch kommt: „Die Jungen – da läuft gewaltig was falsch.“ Solche Sätze sind schnell gesagt, oft beiläufig – und doch prägen sie das Klima. Sie entscheiden mit, ob junge Menschen in Teams willkommen sind oder nicht.


Die Gegenseite klingt genauso klar: Junge Mitarbeitende, die direkt fragen, warum Dinge „immer noch so“ laufen, oder überzeugt sind, vieles sei „nicht mehr state of the art“. Für manche Erfahrene klingt das nach Entwertung ihres Erfahrungswissens – und die Gräben vertiefen sich.


Zwischen diesen Polen entsteht Spannung. Mal führt sie zu lebendigen Diskussionen, mal zu Schweigen und Rückzug. Führung bestimmt die Richtung, in die es geht.


𝐃𝐢𝐞 𝐊𝐮𝐧𝐬𝐭 𝐝𝐞𝐫 𝐟𝐚𝐢𝐫𝐞𝐧 𝐆𝐞𝐬𝐩𝐫ä𝐜𝐡𝐬𝐤𝐮𝐥𝐭𝐮𝐫

Ein Industrie-Manager brachte es im Interview auf den Punkt: „Ein großer Belastungsfaktor für mich als Führungskraft liegt darin, dass ich immer in der Kommunikation zwischen Jung und Alt vermitteln muss. Manchmal sind die Jungen zu forsch, manchmal die Alten zu abwertend. Die Aufgabe von Führung ist es, vom ‚Entweder-Oder‘ zu einem ‚Sowohl-als-auch‘ zu kommen.“ Das klingt einfach, ist aber harte Arbeit. Denn unausgesprochene Regeln sitzen tief: Erfahrung zählt oft automatisch mehr als neue Ideen. 


In manchen Organisationen bleiben diese Muster unhinterfragt – und junge Stimmen verstummen. In anderen gelingt es, sie bewusst zu durchbrechen und Unterschiede in Energie zu verwandeln. Genau hier zeigt sich: integrative Gesprächskultur ist Führungsarbeit.


Eine faire Gesprächskultur bedeutet, dass junge Stimmen nicht als naiv abgetan werden und Erfahrung nicht als Machtmittel dient. Dass neue Impulse geprüft werden, ohne sofort als Angriff zu gelten. Und dass Erfahrung geteilt wird, ohne Überheblichkeit.


Das ist kein „Nice to have“. Es entscheidet, ob Teams Energie gewinnen oder verlieren. Und noch wichtiger: Es entscheidet darüber, ob junge Menschen Vertrauen entwickeln, Zugehörigkeit spüren – und bleiben. Denn wer das Gefühl hat, dass die eigene Stimme nichts zählt, bindet sich nicht.


Es geht also nicht nur darum, ob junge Menschen sprechen wollen. Es geht auch darum: Sind wir Erfahrenen auch bereit, wirklich zuzuhören?


Hören heißt aber nicht, jede Idee sofort umzusetzen. Zuhören heißt, Beiträge ernst zu nehmen – auch wenn sie unausgereift sind. Junge Menschen spüren in Sekunden, ob ihre Stimme willkommen ist oder nur geduldet. Und dieses Gefühl entscheidet, ob sie Engagement zeigen – oder innerlich kündigen, bevor sie richtig begonnen haben.


Führung heißt: den Raum zwischen den Polen zu halten.

Nicht die Jungen kleinzumachen, nicht die Erfahrenen zu entwerten. Sondern beides so zu verbinden, dass daraus Energie entsteht.

Dort, wo das gelingt, öffnen Erfahrung und neue Ideen gemeinsam Wege.

 
 
 

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