Vom Dunkel ins Licht - Über Zuversicht im Übergang
- Patricia Pfarrhofer
- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Schule ist im Normalfall ein lauter Ort. Ein Ort voller Bewegung, Meinungen, Widerstände und Ungeduld. Viel geschieht gleichzeitig, wenig ist geordnet. Junge Menschen treffen dort aufeinander – jede und jeder mit eigener Geschichte, mit Hoffnungen, mit Überforderung, mit Mut und mit Angst. Meist ist das spürbar. Manchmal auch anstrengend.
Und dann gibt es diese seltenen Momente, in denen all das zurücktritt. Nicht, weil jemand zur Ruhe mahnt oder Ordnung einfordert, sondern weil etwas anderes den Raum erfüllt.
Der Morgen der Rorate-Feier in der Schule meiner Kinder war so ein Moment. Für einen Augenblick spielte es keine Rolle, wer sonst welche Funktion innehat, wer sich leicht tut oder schwer, wer vorne steht oder hinten sitzt. Erwachsene und Jugendliche fanden sich an demselben inneren Ort wieder. An einem Ort, an dem nichts geleistet werden muss und an dem man einfach da sein darf.
Gestaltet wurde dieser Moment von Lehrerinnen und Lehrern, die mehr eingebracht haben als Expertise. Sie brachten sich selbst ein – ihre Gedanken, ihre Stimmen, ihre Musikalität und ihre Zuversicht.
Vom Dunkel ins Licht.
Sie sprachen von Zumutungen, von Unsicherheiten, von einer Welt, die vielen jungen Menschen heute Angst macht. Und sie gaben etwas weiter, das nicht erklärbar ist, sondern nur erfahrbar: Zuversicht. Die Gewissheit, dass Wege weiterführen, auch wenn man sie noch nicht sehen kann. Die Erfahrung, dass man Dunkelheit kennt und dennoch vorangegangen ist.
Ich glaube, wir Erfahrenen unterschätzen oft, wie genau junge Menschen hinschauen. Sie orientieren sich weniger an unseren Worten als an unseren Taten. Sie spüren, ob wir selbst noch an Weiterentwicklung glauben oder ob wir uns mit Anpassung begnügen. Sie merken, ob Erfahrung angeboten wird oder ob sie als Maßstab dient.
Zuversicht im Übergang bedeutet nicht, dass alles gut ist. Sie bedeutet, dass jemand bleibt, auch wenn es noch nicht gut ist.
Sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen für das Ungleichgewicht zwischen Erfahrung und Anfang. Nicht, indem wir alles Erklären oder Kontrollieren, sondern durch das Teilen unserer eigenen Geschichte. Unserer Fehler. Unserem Ringen. Unserem Weitergehen.
An diesem Morgen wurde sichtbar, wie viel Ruhe entstehen kann, wenn Erwachsene sich neben junge Menschen stellen. Wenn sie sagen: Ich kenne nicht jede Antwort, aber ich kenne den Weg weit genug, um zu wissen, dass du ihn nicht allein gehen musst.
Vom Dunkel ins Licht.
Jahreswechsel, Jobwechsel, Berufseinstieg – Übergänge sind sensible Zeiten. Sie brauchen Menschen, die stehen bleiben, wenn es unübersichtlich wird, und die nicht weitergehen, nur weil sie es könnten.
Vielleicht ist genau das die stärkste Form von Zuversicht: zu zeigen, dass Wege tragfähig sind, auch wenn sie noch nicht leicht erscheinen.

Ich wünsche euch ein Weihnachten voller stiller Zuversicht – und Menschen an eurer Seite, die mit euch im Dunkel bleiben, bis es wieder Licht wird.



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